Über den Schatten springen

Dicht gefolgt vom Schatten unserer selbst gehen wir durchs Leben. Er klebt an uns und wir an ihm. Über den eigenen Schatten springen formuliert, die Geschwindigkeit der eigenen Seele auszubremsen, den eigenen Überzeugungen und Glaubenssätzen einen Strich gegen ihre Rechnung ins Land zu setzen.

Ich springe, ich tue es mir an. Lass alles hinter mir, was zur Zeit mein Vorsatz ist, meine Einsicht, mein Wissensstand. Wider alle Bedingungen in die entgegengesetzte Richtung. Schön blöd, warum tue ich das? Bleibe nicht in meinem Territorium, in dem ich mich eingerichtet wohl fühle. Satt und angekommen. Eingebettet in Urteilen über mich selbst und die anderen. Ich habe es mir gemütlich gemacht in meiner Trauer, Wut, Angst, Enttäuschung, Aufgabe. Es erklärt so viel. Nicht alles, aber viel.

Ich zwinkere mir selbst zu. Schön blöd auch das. Denn wo will ich so hin? Will ich so da raus? Was ändern? Luft hereinwirbeln in den abgestandenen Mief meiner Vorstellungen und Anschuldigungen, wo nichts mehr geht? Es sinkt sich immer tiefer ein ins Elend voll Selbstmitleid und Anklage.

Erst der Sprung über den Schatten hebt die Sicht. Es wird klar das Sichtfeld, weil abfällt, was uns vorab blind und wütig gemacht hat. Es wird klar und leicht.

Nur das.

Der Sprung wider uns selbst ist der Sprung in die Freiheit von uns selbst. Denn das, was wir so gut als Selbst vermeinen, ist nur der Anker der uns zu Boden hält.

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